PS3 Super Slim – oder: Ich will meine Daten zurück!

Auf Twitter werden es die Meisten mitbekommen haben: Am 21.12. ging zwar nicht die Welt unter, dafür meine PS3. Das 60GB-Launch-Modell hatte mehrere tausend Betriebsstunden auf dem Buckel und ich mache ihr in Punkto Langlebigkeit keinen Vorwurf. Schon im März waren die ersten Alterserscheinungen in Form des YLOD-Fehlers zu sehen. Dass die Konsole nicht mehr startete war das eine, doch nicht mal die Disc wollte sie ausspucken (Erst spätere Modelle sollten einen Notauswurf bekommen). So ging sie dann auf Reisen – inkl. Spiel – und wurde in einer Kurklinik für altersschwache Konsolen wieder aufgepeppelt.

Den PlayStationPlus-Dienst, den ich damals zähneknirschend gebucht hatte, um in den unglaublichen Luxus zu kommen, die Spielstände einiger Spieler auch auf unserer Zweit-Playstation zur Verfügung zu haben, wurde plötzlich zur einzigen Backup-Lösung. Die Festplatte war nämlich genauso unbrauchbar*, ohne den funktionierenden Rest. Ich schob also alle relevanten Spielstände in die Wolke, um beim nächsten Mal gelassener an die Sache rangehen zu können.

Das nächste Mal …

Nun ist es da und ich habe dieses Mal keine Lust gehabt noch mal 80 EUR in die Reparatur des Gerätes zu investieren. Spielstände sind alle in Sonys flauschigem Wolken-Lager und die neue PS3 Super Slim, inkl. neuer Garantie mit 180 EUR noch halbwegs bezahlbar. Schnelle Klicks auf dem Online-Händler der Wahl beförderten das Gerät unter den Fernseher.

Nun erdachte sich mein Kopf ein flauschiges Szenario, in dem ich meine alte Festplatte einfach in das neue Gerät stecken kann und irgendein mystischer, benutzerfreundlicher Backup-Dienst von Sonys System erkennt, dass hier ein Systemtausch stattfinden würde. Durch Eingabe meines PSN-Accounts würde ich die Inhalte für das neue Gerät freischalten und alles ware gut gut – immerhin darf man die Inhalte ja auf 10 2 Systemen nutzen.

A fool you are!

Das erste Problem dieses Vorhabens war schon mal, dass man bei Sony entschied, das kleine Blech, auf dem die Festplatte ins Gehäuse wandert, NICHT beizulegen. Also folgten noch einmal schnelle Klicks beim Online-Store und kopfschüttelndes Unterverständnis. Was dann 3 Tage später eintrudelte, war auf jeden Fall schon mal ein echtes „Unboxing“ Erlebnis … immerhin gibt’s Bonuspunkte für den Verzicht auf eine Blister-Verpackung:

Hindernis Nummer Zwei: Es gibt keine Möglichkeit der neuen PlayStation zu sagen, sie solle doch mal die alte Platte mit den alten Inhalten verwenden. Eingesteckt gibt es nur die Möglichkeit den Flash-Speicher auf die Platte zu kopieren und dabei ALLE Inhalte dort zu löschen.* Danke Sony für eure Weitsicht! Danke dass mein liebevoll gepflegtes Unreal Tournament 3 mit seinen 200 Maps nun im Datennirvana verschwunden ist. Noch mal werde ich mir sicherlich nicht die Mühe machen diese Custom-Maps EINZELN per USB Stick von meinem Rechner zu übertragen. Naja … wenigstens sind die Spielstände da.

Warum?

Warum müssen Spielstände behandelt werden als wären es Kontostände bei meiner Bank? Ich möchte JEDEN meiner Spielstände beliebig kopieren und verschieben dürfen, sofern dabei nicht eine persistente Multiplayer-Welt oder ein Online-Ökosystem in Mitleidenschaft gezogen wird. Ich möchte nicht 60 EUR im Jahr zahlen um meinen „Kingdom of Amalur“-Spielstand auch auf einer zweiten PS3 nutzen zu dürfen und ich möchte nicht hundert Stunden Download-Arbeit leisten, wenn mir mal eine Konsole abraucht.* Wenn bei Sony schon alles mit DRM verpackt wird, dann möchte ich auch meinen Account eingeben können, um zu sagen: JA! Das ist meine Festplatte! Das sind meine Inhalte! Liebe PS3, nutze sie!

Ich bin jetzt schon gespannt, was uns die nächste Konsolengeneration an Steine in den Weg legen wird.

Super Slim PS3

Nach all den Problemen mit dem „Umziehen“, sollte ich nun vermutlich noch ein paar Worte zur neuen PS3 verlieren. Optisch finde ich sie eigentlich ganz ok – jedenfalls hübscher als das mausgraue Slim-Modell. „Klein“ ist ebenfalls gut und dass bei dieser Größe immer noch kein externes Netzteil nötig ist, freut ebenfalls. Wenn man gerade 2 Stunden damit verbracht hat, seiner alten PS3 eine Spiele-Disc operativ zu entfernen und dabei YouTube-Tutorials im Stop-and-go-Verfahren guckt, um auch ja keine Schraube und kein Flachbandkabel zu vergessen, findet man das Toploader-Laufwerk ebenfalls ’ne Spitzen-Erfindung. Ja, es ist fimmschig und macht wirklich keinen stabilen Eindruck, aber es funktioniert und es ist leiser als so manch ein Vertreter aus der Slim-Generation. Überhaupt ist die Konsole sehr leise. Auch nach Stunden im DVD-Upscale-Betrieb geben die Lüfter nur einen leisen Ton von sich. Weniger erfreulich ist hingegen ein hochfrequentes Pfeifen bei Laufwerksbetrieb. Letzteres muss ich aber noch in Hinblick auf „Montagsgerät“ beobachten.
Leider ist der Versuch sie aufrecht zu betreiben keine gute Idee, auch nicht mit entsprechendem Ständer. Das Toploader-Laufwerk ist dann nur noch extrem fummelig mit einer Disk zu befüllen und man muss die Konsole mit der zweiten Hand fixieren. Sie horizontal zu betreiben gibt dann aber dem Staub eine wunderbare Angriffsfläche, durch die Rillen auf der Oberseite. Wohl dem, der entsprechendes Werkzeug in Form von Nerd-Staubsaugern besitzt. Ansonsten ist es eine PS3 wie jede andere auch, dass der Eject-Knopf meiner Fernbedienung nix mehr tut, wird mich aber noch einige Wochen verfolgen.

*Disclaimer:
Mir ist durchaus bewusst, dass Möglichkeiten zum präventiven Backup und Migrieren der Daten von einer Konsole zur anderen existieren. Beide Fälle setzen aber voraus, dass die erste Konsole funktionstüchtig ist, was im Falle eines Defektes nun mal nicht mehr der Fall ist. Mir ist ebenso bewusst, dass ich in einem furchtbar-aufwändigen Eiertanz, hinter meiner YLOD-PS3 hätte rumhüpfen können um ihr mit einem Fön ein kurzes, untotes Leben einzuhauchen – das war mir aber schlicht zu blöd.

Ein Gedanke zu „PS3 Super Slim – oder: Ich will meine Daten zurück!

  1. Bitte nicht falsch verstehen, aber ich musste teilweise schallend auflachen, ob der knackigen Schreibe! Ansonsten gibt es an der Sache weniger zu lachen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.