31C3 – Das Design

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“Welcome to the largest hacker conference in the free world!“ – mit diesen Worten startete am 27.12.2014 der 31. Chaos Communication Congress in sein Opening Event. Rund 12.000 Besucher bevölkerten vier Tage lang das Hamburger CCH. Ein enthusiastischer Haufen Menschen überhalf den sonst so digitalen Bits und Bytes in die Realität und formte einen fast schon magisch anmutenden Technik-Jahrmarkt.

Ich war dabei – zum ersten Mal. Normalerweise verbringe ich die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr „in der Ladestation“. Die ganze Welt tritt im Gleichschritt kürzer – eine Zeit, die ich nach dem Trubel des Jahres sehr ruhig angehe und mit einer großen Dosis Familie und Freunde anreichere. Diese „Entschuldigung“ konnte ich dieses Jahr nicht anbringen, um dem Kongress meine Abwesenheit unterzujubeln. Dieses Jahr hatte ich die Ehre den Auftritt des Kongresses zu gestalten.

Den Zuschlag erhielt ich am 17. November 2014.

Bereits Mitte Oktober waren zum Titel „A New Dawn“ schon erste Ideen mit dem CCC ausgetauscht worden. Sonst wäre die Zeit nicht mit mit dem Adjektiv „knapp“, sondern seinem kleineren, wirren Bruder „kritisch“ geschmückt worden.

Farbwelt

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Aller kreativer Anfang beim „Design von Null“ ist irgendwo zwischen „schwierig“ und „fordernd“ einzusortieren. Ich begann mit einem Farbschema und bemühte Google um ein paar besonders kitschige Sonnenaufgänge. Nach etwas subjektiver Freiheit landete ich bei drei warmen Rot-/Orangetönen und zwei kühleren Lila-Nuancen.

Logo: Signet

Tim Pritlove legte mir eine erste Idee für ein Motiv im Comic-Stil aus dem CCC-Umfeld vor, das „Fairydust“ über einem Planeten mit Sonnenaufgang zeigte. Diese Stimmung wollte ich nicht ganz außen vor lassen, aber doch etwas ins Abstrakte transportieren.

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In der Sondersendung am letzten Tag des 31C3 hat Ralf Stockmann seine These des kollektiven popkulturellen Gedächtnisses herangezogen und nominierte die Eröffnungsszene des Films „2001“ als Paten. Ich hatte diese spezielle Szene zwar bei der Gestaltung nicht im Hinterkopf, aber einen über die Maße individuellen Charakter ist einem Planeten mit seinem aufgehenden Stern dahinter auch nicht zuzusprechen. ;)

Ich wollte tiefere Assoziationen von „Licht im Dunkeln“, „Hoffnung“, „Energie“, „überstrahlend“, „umfassend“ und natürlich dem Sonnenaufgang. Nebenbei sollte es auch noch an einen Raketenstart erinnern, um Fairydust wenigstens eine Hommage zukommen zu lassen.
Die Anmutung eines I/O-Schalters war fast ehr ein Nebenprodukt der Formfindung und ein willkommener Teil der obersten Schicht weiterer Assoziationen: „Anfangen“, „Neustart“, „Turning it off and on again“. ;)

Logo: Wortmarke

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Mit Hackern hat man dankbarerweise eine Zielgruppe, der man etwas mehr Zumuten kann, was den kryptologischen Grad eines Schriftzuges betrifft. Daher fiel meine anfängliche Vorsicht, die Lesbarkeit auch noch auf regendurchnäßtem, nadelbedrucktem Butterbrotpapier auf Briefmarkengröße zu gewährleisten, relativ schnell. Die klassischen Glyphen der „TeX Gyre Adventor“ wichen einer Konstruktion aus dem Signet heraus – anfangs noch mit Mittelstrichen, die ihre Kreise am Ende berührten, später wurde auch diese Verbindung gelöst.

Das Key-Visual war geboren:

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Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an Falk Gartner, der das Visual noch in Windeseile als Animation zum Leben erweckte und damit der Eröffnung in Saal 1 einen epischen Touch verlieh.

Die Matrix

Mein Wunsch war es, am Ende eine Gestaltung zu haben, die ein Eigenleben hat – mit der gespielt werden kann. Der Congress steht für „Mitmachen“ und „Anpacken“. Abseits von Design-Manuals und Vorgaben wollte ich eine definierte Dynamik, die man weder in ihrer Funktion noch in ihrer Intention erklären muss. Ich spielte also mit den Formen des Logos herum und beschloss, dass sich der lose Strich wunderbar als Übergabeobjekt eignet. Die Kreise sollten ihre „Fracht“ an die nächste offene Stelle weitergeben.

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„Knotenpunkte“, „Kommunikation“, „Weitergabe von Informationen“, „Open Mind“, „Informationsfluss“, „Netzwerk“, „Kontakt“ … Jeder kann in diesem Konstrukt seine eigene Bedeutung finden.

Um die Idee im statischen Print zu komplementieren, wollte ich auf möglichst jedem offiziellen Gerät des Congresses, das Pixel drehen kann, eine animierte Version dieser Matrix als Hintergrund laufen haben. Wichtig war mir, dass das Composing nicht linar als festes Video stattfinden sollte. Auf einer Hacker-Konferenz sollte dieses Herzstück des Designs von Code erzeugt werden und möglichst ein dynamisches Eigenleben haben.

Hier passierte dann leider die erste Panne, die im strammen Zeitrahmen auch nicht mehr ausgebügelt werden konnte. Genau am „Point of No Return“ musste mein Quartz-Composer-Fachmann die Arbeiten an der Animation einstellen. Auf die Screens im CCH hat es aber zum Glück noch eine statische Version geschafft, die dem Infobeamer-Team zu verdanken ist. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön dafür! Für die Annalen der Geschichtsschreibung gibt es hier aber die Weltpremiere der „Work in Progress“-Version:

Die Kombination aus Main- und Matrix-Visual waren die Grundlage für alle Print- und Screen-Erzeugnisse, die das CCH und seine Besucher während des Congresses schmücken sollten.

Poster

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Armbänder

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Als einer der ersten Kandidaten gingen die Eingangskontrollbänder auf die Reise. Hier wurden noch einige Farbanpassungen vorgenommen, um die Differenzierbarkeit auch unter schlechteren Lichtverhältnissen für die Einlasser zu gewährleisten.
Noch früher entstanden nur die SIM-Karten. Als alleinige Träger der ersten Version des Logos (noch mit durchgezogenem Strich) halten sie den Status der „Blauen Mauritius des 31C3“ inne.

Badges

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Faltplan

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Die Credits für einen Teil des Faltplans (den hier eingebundenen Floor-Plan des CCHs) gehen zurück an das Design des 29C3. Hier wurde mir dankenswerterweise eine schlaflose Nacht fürs Nachbauen erspart.

Beschilderung

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Auch wenn wir uns in der Praxis für eine umweltschonendere Version der Beschilderung entschieden haben, die weniger Drucker-Tinte vor Ort verbraucht, dürfen an dieser Stelle mal die „massiven“ Versionen der Schilder „leuchten“.

Tickets

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Website

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Garderobenmarken

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Shirts

Ich hätte die Crew, die durch das CCH wuselt, gerne mit einem kunterbunten T-Shirt-Paket ausgestattet.

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Leider wurde ich durch zwei Realitäten gestoppt. Zum einen ist es extrem unmöglich 15 Werktage vor Weihnachten noch haufenweise T-Shirts in fünf Größen, für Weiblein und Männlein, von möglichst einem Hersteller, in guter Qualität und in genau den fünf Pantone-Tönen zu erhalten, die man sich ausgedacht hat. Zum anderen wehte mir ein leiser Wind entgegen, der von verschiedenen Stellen flüsterte, „der Feld-, Wald- und Wiesen-Hacker trage ausschließlich Schwarz“. Diese schicke Fünfer-Kollektion blieb daher ein Konzept.

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Freuen durften sich aber alle „Engel“ – die freiwilligen Helfer des Kongresses – über zwei farbige Versionen der Shirts, die noch „gewuppt“ werden konnten.

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Am Kollektions-Ausgabeschalter gab es für alle regulären Besucher natürlich die gewohnte Zusammenstellung aus T-Shirts, Hoodie und Zipper-Jacke.
Als ich am ersten Tag die Menschenschlange vor dieser Bude sah, war ich einer überwältigenden Ohnmacht nahe. Ich habe Warteschlangen bei iPhone-Veröffentlichungen gesehen, die dagegen unbedeutend wirkten. Das sind die Momente in denen ich es liebe zu gestalten – da geht das Herzchen auf. :)

Noch schöner war es zu sehen, wie die emsigen Macher und Bastler vor Ort mit Logo und Design spielten und experimentierten. Ob Stick-Computer oder 3D-Drucker – vor wenigen Medien wurde halt gemacht. Mehr dazu gibt es hier in einer Flickr-Galerie.
Und wer sich noch was basteln will, findet im 31C3 Wiki eine Menge Source-Dateien vom Design, inkl. Poster und Visuals.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch bei allen Menschen bedanken, die mich in meiner Gestaltungsarbeit tatkräftig unterstützt haben. Ohne euch hätte es nicht so viel Spaß gemacht! :)
Danke an erdgeist, cpunkt, Falk, Tim, Lynne, Gunnar, Andreas, Jannes, Cornelis, Hannes, Andi, Florian, zakx, Roland, Andy und alle, die ich aus der unüberschaubaren Menge an Mails jetzt nicht rausextrahiert bekommen habe und die sich genau jetzt denken: „War ja klar, dass er genau MICH vergisst!“

Danke für alles. :)

2 Gedanken zu „31C3 – Das Design

  1. Schade, das hervorragende Design des 31C3 ist am angegebenen Link leider nicht mehr zu finden. Gibt es noch eine Möglichkeit die Source-Dateien zu bekommen?

  2. sehr schöner Bericht! Leider kann ich aber die source-Dateien im 31c3-wiki nicht finden. Wurden die entfernt oder gibts die noch irgenwo und ich bin nur zu blöd, sie zu finden?

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